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Frank P. - Meine Laufberichte






05.11.2006 - New York City-Marathon



Donnerstag

Flug mit Continental Airlines von Berlin-Tegel nach Newark (New Jersey) bei New York. Wunderbares Sonnenscheinwetter, das die ganzen Tage anhalten sollte. Bustransfer nach Manhattan zum Hotel, das in der Seventh Avenue / Ecke 55. Street extrem günstig zwischen Central Park und Times Square liegt. . Dauer: 3 Stunden, weil der Fahrer den Weg nicht kannte. Dafür war eine Stadtrundfahrt schon mit dabei. ;-) Nomade2015, J.R. und SteBie sind bereits im Hotel. Abends: Abholung der Startunterlagen auf der Expo.


Freitag

Frühes Aufstehen: Joggen im Central Park.
Nach dem Duschen Frühstücken. Mit der U-Bahn nach Downtown. Besichtigung u.a. Ground Zero und Wall Street.
Mittags mit der kostenlosen Fähre nach Staten Island und wieder zurück.
Nachmittag: Spaziergang über die Brooklyn-Bridge nach Brooklyn und über die Manhattan-Bridge wieder zurück nach Manhattan (China-Town).
Abends: MOMA (Museum of Modern Art). Eintritt ist Freitag Abend immer kostenfrei.


Samstag

Morgens: Freundschaftslauf (heißt in Berlin Frühstückslauf) bei kühlen Temperaturen. U.a. werden vor dem Start an der UNO Paula Radcliff und Grete Waitz als Fahnenträger für GB und Norwegen vorgestellt. Der Lauf geht über sechs Kilometer über die 42. Straße und Sixth Avenue in den Central Park zum Marathon-Zielbereich (Tavern on the Green), wo es ein Frühstück gibt.
Nachmittags: u.a. Shoppen und noch etwas Stadtbesichtigung.
Abends: Pasta-Party wieder im Marathon-Zielbereich (Tavern on the Green). Nudel-Büfett ohne Beschränkung. Zum Abschluss ein großes Feuerwerk.


Sonntag: Der Marathon-Tag!

Aufstehen um 5 Uhr. Bustransfer vom Hotel zum Startbereich. Bereits gegen 6 Uhr haben wir die Verrazano Narrows Bridge überquert und sind am Startbereich.
Vor dem Eingang zum Startbereich unweit der Verrazano Narrows Bridge, wo der Startschuss stattfindet, werden wir von angeheuerten kreischenden cheergirls begrüßt.
Obwohl J.R. und ich eine grüne Startnummer haben, die uns eigentlich nur zum überqueren der unteren Ebene der Verrazano Bridge berechtigt, gehen wir mit SteBie und nomade2015 in den blauen Bereich. Noch ist massenhaft Zeit. Der Startschuss erfolgt erst um 10:10 Uhr.
Es gibt Bagels und diverse andere Dinge zum Frühstück, auch warmen Kaffee oder Tee kann man sich eingießen. Noch gibt es keine Schlangen. Wir suchen uns einen freien Platz auf der Wiese, wo wir uns auf einer Pappe, die wir uns zuvor organisiert haben, niederlassen und genießen in Ruhe unser Frühstück. Trotz morgendlicher Frische (ca. 3°C) ist uns nicht kalt, da wir warm angezogen sind. Die Zeit geht relativ schnell rum mit Dösen, noch mal warmen Kaffee holen, wo sich mittlerweile eine lange Schlange gebildet hat, und aufs Klo gehen (die Wartezeit an den Dixies ist nicht sehr lang, da die Zahl der Dixies ausgesprochen hoch ist.).
Etwa anderthalb Stunden vor dem Start machen J.R. und ich den vor allem wegen der vielen Menschenmassen weiten Gang vom blauen Startbereich zum grünen zu den Kleider-LKW´s, um unsere Sachen abzugeben. Da ja noch eine ganze Weile hin ist bis zum Start, ziehen wir uns vor Abgabe des Kleidersackes unsere mitgebrachten alten Sachen zum später weg werfen an und begeben uns dann wieder zurück zu SteBie und nomade2015 im blauen Bereich.
Etwa eine halbe Stunde vor dem Start wird dazu aufgerufen, sich entsprechend der Startnummer, die anhand der vermeintlichen Leistungsstärke anhand der Meldeunterlagen vergeben wurde, in einem sehr langgezogenem Feld einzusortieren, welches dann kurz vor dem Start zur Startlinie geführt wird. SteBie, der eine dreistellige Nummer hat und damit ganz vorn starten darf, verabschiedet sich schon frühzeitig von uns. Da das langgezogene Feld direkt an unserem Ruheplatz vorbeigeführt wird, warten wir einfach, bis wir dort den 3:30-Pacer vorbei gehen sehen und ordnen uns danach ins Feld ein. Laut Ausschreibung wird es toleriert, wenn Läufer, die eigentlich unten starten sollten, sich oben Freunden anschließen, sofern sie weiter hinten im Feld sind, was bei uns ja der Fall war.

Pünktlich um 10:10 Uhr erfolgt der Startschuss per Kanonenschuss. Vorher gab es noch die mehrstimmig live gesungene amerikanische Nationalhymne und als überraschung flog ein Rosinenbomber ganz knapp an uns vorbei. „New York, New York“ von Frank Sinatra wird vom Band gespielt und danach „Born to run“ von Bruce Springsteen, was ich genau so noch vom letzten Jahr von der Fernsehübertragung in Erinnerung hatte.
Relativ schnell überqueren wir den Teppich der Startline, was mich völlig überrascht, denn ich merke, dass ich auf meiner Uhr die Laufzeit vom Frühstückslauf am Vortag noch gar nicht gelöscht habe, was ich also während der laufenden Zeit machen muss, weshalb meine Stoppuhr etwas verspätet los geht und ich somit gar keine exakte Netto-Laufzeit habe. Da ich mir ohnehin keine konkrete Zeit vorgenommen habe, ist das auch egal.
Beim Laufen über die Verrazano-Bridge fühle ich mich schwindelig und denke, der viele Kaffee ist mir nicht bekommen. Ausgerechnet beim New York City Marathon! Aber schnell wird mir klar, dass mir keineswegs schlecht ist, sondern dass es die Schwingungen der Brücke aufgrund der Läufermassen sind, die diesen Eindruck erwecken.
Auf der Brücke lassen wir uns anfangs wirklich Zeit. J.R., nomade und ich stellen uns auf den erhöhten Mittelstreifen und fotografieren uns gegenseitig. Noch auf der Brücke verabschiedet sich erst J.R., der die verlorene Zeit mit Slalomlaufen aufholen will, und schließlich auch nomade, der auch endlich Fahrt aufnehmen will, während ich die Ruhe weg habe und noch zahlreiche Fotostopps auf der Brücke mache. Die Aussicht nach rechts und vor allem nach links, wo die doch weit entfernte Skyline von Manhattan zu sehen ist sowie die vielen Läufermassen auf der Brücke vor mir und hinter mir sind zu beeindruckend, als dass ich schon gleichmäßig mit der Masse mitlaufen wollte. Dies ist dann erst am Ende der Brücke der Fall. Mittlerweile haben mich natürlich schon zahlreiche Läufer überholt, so dass ich mich, für mich ungewohnt, im hinteren Feld befinde. Stress mit Slalomlaufen wollte ich mir diesmal aber nicht machen. Ich laufe also einfach mit der Masse mit.
Wir befinden uns nun im Stadtteil Brooklyn. Bald laufen wir die Fourth Avenue entlang, eine gerade Hauptstraße, die sich unendlich weit zieht. übermäßig Stimmung ist da nicht los. Die Zuschauerzahlen sind auch nicht gerade berauschend und die Strecke doch recht öde. Ich bin etwas irritiert.
Bei km10 steht meine Uhr genau bei einer Stunde und einigen Sekunden. So langsam bin ich, glaube ich, noch nie einen Marathon angegangen. Beunruhigt bin ich deshalb aber keineswegs. Schließlich war die Zeit mir diesmal erklärtermaßen egal. Also laufe ich erst mal weiter mit der Masse mit.

Getränkeversorgung mit Wasser gibt es jede Meile, und jede zweite Meile gibt es auch noch Gatorade, das sehr kalt ist. Kein Wunder bei Temperaturen um 5° C. Aber dennoch bin ich mit dem Wetter sehr zufrieden: Es scheint die Sonne bei blauem Himmel, so dass die Kälte nicht weiter schlimm ist, so lange man sich bewegt, was man beim Laufen ja auch tut. Obwohl es bereits mein 24. Marathon ist, laufe ich erstmals nicht mit Singlet, sondern mit T-Shirt, selbstverständlich mit ForumTeam-T-Shirt. Unter der Startnummer ist noch ein Teil eines DIN A4-Blattes mit meinem Vornamen gut sichtbar an das Shirt geheftet. Das DIN A4-Blatt habe ich mir noch kurz vor dem Abflug bei mir zu Hause ausgedruckt. Für den Tipp, doch unbedingt mit Namensschild zu laufen, bin ich ungeheuer dankbar, denn bereits nach Ende der langweiligen 4. Avenue sollte sich das zu rentieren beginnen. Im abwechslungsreichen Ortsteil Clinton Hill (Downtown Brooklyn) sind die Zuschauer deutlich zahlreicher vertreten. Als ich in einer Kurve relativ nahe an den Zuschauern vorbei laufe, werde ich namentlich lautstark und enthusiastisch angefeuert, als ob ich ein guter Bekannter wäre. Dies sollte sich im weiteren Verlauf des Rennens noch ungelogen mehrere hundert Male wiederholen.
Es macht nun richtig Spaß. Ich laufe grinsend an den Zuschauern vorbei. „Go Frank!“ höre ich am häufigsten, aber auch „Lookin´good, Frank!“, „Makin´a great job, Frank!“.

Williamsburg (ab km15) ist der Ortsteil, der von vielen Juden bewohnt wird. Hier sieht man auch die typisch orthodoxen Juden, schwarz gekleidet, meist mit Mantel, Kopfbedeckung, meist Hut, mit Vollbart und Locken. Sie sind zwar da, aber applaudieren nicht. Ob ihr Glaube so etwas nicht gutheißt?
Bei km16 sehe ich auf einem Rücken das ForumTeam-Symbol. Ich schließe zum nomaden auf. Wir laufen eine kurze Weile gemeinsam, bis wir uns aber wieder verlieren, denn wir haben nicht mehr den selben Rhythmus.
Die Gegend wird wieder öder. Teilweise laufen wir an altes Industriegelände vorbei. Man könnte denken, dass man sich in einer herunter gekommenen Vorstadt befindet, aber man ist mitten in New York, wenn auch nicht in Manhattan.
Die HM-Marke passiere ich in 2:02 Std. Ich bin zuletzt also etwas schneller gelaufen. Ob ich doch Sub4 anstreben soll, entscheide ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Kurz darauf geht es über die Pulaski Bridge über den Newton Creek, welcher die Grenze zwischen den Stadtteilen Brooklyn und Queens markiert. Auf der Brücke bleibe ich mal wieder stehen und mache ein Foto von Manhattan, da man eine wunderbare Aussicht hat.
Dann geht es durch Queens, aber nur gut zwei Meilen, bis wir auf die Queensboro Bridge rauflaufen (km25), auf der wir den East River überqueren und nach Manhattan kommen. Auf der Queensboro Bridge müssen alle auf der unteren Ebene laufen. Es ist schattig und windig die einzige Phase des Marathons, wo mir kalt ist. Viele Läufer werden hier langsamer. Entweder weil es auf der Brücke zunächst leicht, aber stetig bergauf geht, oder weil der Zuschauerzuspruch urplötzlich abbrach, denn Zuschauer gibt es auf der Brücke nicht. Ich mache wieder einige Fotostops. Besonders beeindruckend ist es, am Ende der Brücke zu sehen, wie die Läufer von der Brücke herunterkommen und in einer Schleife auf die First Avenue leicht zurück laufen und dann noch mal unter der Queensboro Bridge, und damit auch unter mir, durchlaufen Richtung Norden.
Die First Avenue ist der Hit. Der Höhepunkt überhaupt. Hier sind die Zuschauerreihen riesig. Die Stimmung ist fantastisch. Bald laufe ich wieder von der Mitte aus an den Rand, dicht an den begeisterten Zuschauern vorbei, die mich wieder hundertfach mit Vornamen anfeuern. Mehr Spaß kann ein Marathon kaum machen. Durch die erhöhte Endorphinausschüttung fällt mir das Laufen nun noch leichter, so dass ich das Tempo erhöhe und nun endgültig beschließe, Sub4 zu laufen. Die First Avenue ist sehr breit, so dass das überholen meist auch problemlos geht. Nur wenn mal gleich mehrere Langsame einen Riegel bilden, muss ich mich bemerkbar machen und mich durchsetzten. Es gibt sehr viele Läufer, die nun wirklich langsamer werden. Nun ja, wir befinden uns schließlich auch schon bei etwa km30, da, wo der Marathon erst richtig anfängt.
Nach dem Nordende der First Avenue verlassen wir wieder Manhattan über die Willis Ave. Bridge. Der Boden der Brücke, der teilweise aus Gitterstangen besteht, ist in diesen Bereichen mit einem großen orangefarbenen Teppich abgedeckt, auf dem man aber gut laufen kann. Auf der Brücke, wo deutlich weniger Platz ist als auf der First Avenue, staut es sich ein wenig.
Endlich sind wir in der Bronx, dem Stadtteil, den angeblich kein weißer Fremder abends allein betreten soll. Eine Band begrüßt die Läufer gleich mit „Welcome to the Bronx“. Ansonsten kann ich über die Bronx nichts Bemerkenswertes weiter berichten, denn schon nach einer Meile geht es wieder zurück nach Manhattan über die Madison Ave. Bridge.
Wir laufen auf der Fifth Avenue durch Harlem nach Süden Richtung Central Park. Die Stimmung ist wieder gut, wenn auch nicht ganz so enthusiastisch wie auf der First Avenue. In Harlem gibt es auch kaum Hochhäuser, für Manhattan fast ungewohnt.
Schließlich taucht zu unserer Rechten der Central Park auf. Mir ist jedoch klar, dass aber immer noch mehr als drei Meilen zu laufen sind. Was ich allerdings nicht weiß ist, dass die Strecke nun wieder stark ansteigend ist. Die Zuschauer, die nun wieder ganz zahlreich sind, stehen schon weit auf der Straße. Das überholen wird nun wieder schwieriger, zumal nun auch viele Läufer gehen, während ich mein Tempo unbeirrt weiter laufe und sogar noch geringfügig forciere. Ich fühle mich sehr gut, sowohl körperlich als auch mental, was natürlich kein Wunder ist bei der begeisternden Anfeuerung durch die Massen.
Vor Meile24 geht es schließlich auch ganz in den Central Park hinein. Entgegen meiner Befürchtung, dass dort wenig Zuschauer sein könnten, ist die Strecke auch hier rechts und links wunderbar gefüllt mit Menschen. Es ist eine wahre Freude, die zwei letzten Meilen im Central Park zu laufen, auch wenn es auch hier wieder sehr wellig ist, was ich aber durch den Trainingslauf am Freitag schon wusste und für mich kein Problem darstellt.
Die letzte Meile geht es noch am Südrand des Central Park entlang (Central Park South), ehe es dann über den Columbus Circle wieder gänzlich in den Park geht auf die letzten 300m bis zum Ziel. Einer meiner schönsten Marathons ist gefinisht! Zwar mein drittlangsamster, aber der, der für mich mit Abstand am meisten Genuss bereitete. Das heißt jetzt nicht, dass ich nun zum Genussläufer werden möchte, aber dieser New York City Marathon war so richtig schön! Solch ein Vergnügen kann ich bei einem Wald- und Wiesenmarathon nicht erleben oder empfinden!

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Die Nachzielbereichphase fasse ich kurz zusammen: Sich lange hin ziehendes langsames Gehen mit der Masse bis zu meinem Kleider-LKW, wo mein Kleidersack aber sofort mir gereicht wurde. Danach sich ebenfalls lange hin ziehendes Gehen am Rande des Central Park und noch mit vielen Umwegen wegen Absperrungen, so dass ich noch ganz schön lange gebraucht habe, bis ich im Hotel war.

Am Abend Essen bei Hooters.


Montag

Vormittags: Aussichtsturm des Rockefeller Centers (Top of the Rock) zwischen Empire State Building (wo ich schon bei einem früheren NY-Besuch war) und dem Central Park. Nachmittags: Circle-Line-Tour. Schifffahrt komplett um Manhattan herum.
Abends: Besuch des NBA-Spiels (Basketball) im Madison Square Garden zwischen den New York Knicks und den San Antonio Spurs.


Dienstag

Früh: Joggen im Central Park. U.a. auch Dr. Thomas Wessinghage gesehen.
Späterer Vormittag: U.a. Lincoln -Center mit Metropolitan Opera sowie noch letzten Stadtspaziergang.
Nachmittag: Bustransfer nach Newark zum Flughafen.
Abends: Abflug zurück nach Deutschland


Mittwoch

Morgens: Ankunft in Berlin-Tegel.




Die Highlights der von mir gemachten Bilder gibt es hier!












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