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01.10.1989 - Berlin-Marathon
Den Bericht schrieb ich am 1. Oktober 2009:
Genau vor zwanzig Jahren bin ich meinen ersten Marathon gelaufen, den Berlin-Marathon 1989. Dies ist für mich der Anlass, auf diesen Marathon und auf die Vorbereitung darauf noch einmal zurück zu blicken:
Als ich am 08. Mai 1988 die 25 km de Berlin ohne Training geschafft hatte, wenn auch mit viel Quälerei am Ende, war mir klar, dass ich auch den Berlin-Marathon mit angemessenem Training schaffen würde. So hatte ich mir also schon im Jahre 1988 vorgenommen, den Berlin-Marathon 1989 zu laufen. Nicht schon bereits den Berlin-Marathon 1988, weil ich der Ansicht war, dass eine langfristige Vorbereitung wichtig sei, die über ein halbes Jahr deutlich hinaus geht. Zusammen mit meinem damals auch in Berlin lebenden Bruder ging ich dieses Vorhaben an. Für meinen Bruder war das Laufen ebenfalls Neuland, aber auch er war davon überzeugt, den Berlin-Marathon zu schaffen, da er als Zuschauer unter den Marathon-Läufern etliche Dicke gesehen hatte und er selbst schlank war.
Im Winter 1988/89 wollten wir eigentlich mit dem Training beginnen. Aber wir waren Weicheier, wie man heute sagen würde. Das Wetter war nie wirklich einladend für einen Trainingsbeginn und so schoben wir den Start unseres Marathontrainings immer weiter hinaus. Natürlich hatten wir damals keine gute Kleidung zum Wintertraining. Funktionskleidung war damals noch unbekannt. Aber das möchte ich auch im Nachhinein nicht als Entschuldigung für das zu Hause bleiben gelten lassen. Erst am 1. April 1989 fingen wir mit dem Training an, als im Grunde bereits der Frühling begonnen hatte und es aufgrund der Sommerzeit auch lange hell blieb. Nun wollten wir im Winter Versäumtes schnell nachholen und sind vier Wochen lang fast jeden Tag gelaufen. Begonnen hatten wir mit 20 Minuten am Tag bis wir uns schließlich auf 40 Minuten gesteigert hatten.
Eine Woche vor den 25 km de Berlin am 7. Mai 1989 waren wir beide aufgrund des vielen Trainings verletzt. Ich erinnere mich nicht mehr, was mein Bruder hatte. Ich selbst hatte irgendeine Fußverletzung (nicht Plantarfasziitis). Nach einer Woche Pause bin ich allerdings, im Gegensatz zu meinem Bruder, bei den 25 km de Berlin an den Start gegangen und spürte von der Verletzung nicht mehr viel. Ich war hoch erfreut, wie leicht dieser 25-km-Lauf mir fiel, zumindest im Vergleich zum Vorjahr. 22 Minuten schneller als im Vorjahr war ich und vor allen Dingen im Ziel viel weniger kaputt. Die vier Wochen Training hatten also jedenfalls gut angeschlagen und mir war nun erst recht nicht bange vor dem Berlin-Marathon. Allerdings sollte das Training nun etwas dosierter und planvoller stattfinden, um künftig Verletzungen zu vermeiden.
Mein Bruder besorgte uns ein Lehrbuch von Dr. Thomas und Ellen Wessinghage. Den Titel weiß ich nicht mehr, aber es ging darum, sich als Neuling auf einen Marathon vorzubereiten. Danach trainierten wir den Sommer über. Das Training verlief im Großen und Ganzen ganz gut. Wie viele Kilometer pro Woche raus kamen, weiß ich nicht mehr. Ich habe keine Aufzeichnungen mehr gefunden. Ich erinnere mich noch, dass Wessinghage empfohlen hatte, pro Woche in der Summe der Trainingsläufe mindestens auf die Marathondistanz zu kommen, was uns in einigen der Wochen gelungen war, aber nicht in allen. Ich erinnere mich auch nicht mehr, dass von Wessinghage die Wichtigkeit der langen Läufe so propagiert wurde, so wie es heute der Fall ist. Lange Läufe hatten wir deshalb gar nicht im Programm. Wir sind zwar oft gelaufen, aber fast nie wirklich lang. Der längste Lauf war an einem Sonntag im August im Grunewald bei großer Hitze. Wir besaßen weder Trinkgurte noch Trinkflaschen und sind in der Hitze fast eingegangen.
Kurz vor dem großen Tag bekam ich Probleme mit den Knieaußenbändern. Es gab immer wieder stechende Schmerzen beim Laufen, vor allem wenn es um Kurven ging.
Am 1. Oktober 1989 war es endlich so weit: Wir standen im Starterfeld des Berlin-Marathons. Das Starterfeld befand sich genau dort, wo heute das Ziel ist, allerdings mit dem Unterschied, dass nach hinten keine Ausweichmöglichkeit bestand, denn die Mauer stand ja noch und zwar stand sie direkt vor dem Brandenburger Tor. Ich erinnere mich noch, dass ich direkt an der Mauer Dehnübungen gemacht hatte.
Scan aus dem Programmheft vom Berlin-Marathon 89 und dem Titelblatt der Ergebnisliste.
Von den Mitlaufenden hätte damals wohl niemand damit gerechnet, dass der 16. Berlin-Marathon der letzte sein würde, der nicht durch das Brandenburger Tor und ausschließlich durch West-Berlin gehen würde. Dass die Mauer sechs Wochen später fallen würde, ahnte niemand. Gleichwohl war zu erkennen, dass es aufgrund der vielen Flüchtlinge mit der DDR rasant bergab ging. Am Abend nach dem Marathon wurde in der Tagesschau Bundesaußenminister Genscher gezeigt, wie er auf dem Balkon der Prager Botschaft den jubelnden DDR-Flüchtlingen ihre Ausreise zusicherte.
Nun aber wieder zum Marathon: Das Feld war etwas kleiner als wir es von heute kennen. Im Ziel gab es gut 13.000 Finisher. Aber für mich war es damals dennoch ein tolles Gefühl, mitten in dieser Menschenmasse zu stehen und gleich den Berlin-Marathon laufen zu können. Mein Bruder und ich standen als Ersttäter natürlich im letzten Block, der damals der weiße Block war. Wie auch heute ging es 1989 erst einmal zur Siegessäule, aber danach nicht geradeaus weiter, sondern halbrechts die Altonaer und Levetzowstraße bis Alt-Moabit. Diese Straße wurde aber am Gefängnis wieder verlassen und über die Paulstraße ging es wieder zurück zur Siegessäule. Danach ging es erst einmal zum Ku´damm, wo am Ende auch das Ziel war, und dann nach Kreuzberg. Hier ist der gescannte Streckenplan:
bitte auf den Plan klicken, um zur Großansicht inkl. Zeitplan zu kommen:
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Ob ich gleich von Beginn an allein lief oder ob mein Bruder noch ein paar Kilometer mit mir mitlief weiß ich nicht mehr. Klar war jedenfalls, dass jeder sein eigenes Rennen laufen musste, da wir unterschiedlich stark waren. Das Wetter war, so weit ich mich richtig erinnere, zum Laufen ganz gut: Nicht sehr warm, trocken aber eher bewölkt.
Scans von km26 von harriersand und GöGa: Bitte auf die Thumbnails klicken:
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links vorn: Sieger Alfredo Shahanga, rechte Bilder: die Läufermassen
Der Berlin-Marathon hat mir gleich von Anfang an riesigen Spaß gemacht! Auch vor 20 Jahren schon standen die Zuschauer ähnlich zahlreich an der Strecke wie heute.
Welchen Schnitt ich damals angelaufen bin, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall bin ich aber klar positive Splits gelaufen, denn ab etwa km 25 wurde es hart. Die tolle Stimmung auf der Schlossstraße ließ es mir leichter fallen, weiter zu laufen, aber spätestens Unter den Eichen musste ich ordentlich auf die Zähne beißen. Am Schlimmsten war es jedoch auf dem Hohenzollerndamm (km37-39). Dort begegnete ich spätestens dem Hammermann. Aber irgendwie quälte ich mich dennoch durch und schaffte es bis zum Ku´damm. Hier konnte ich den letzten Kilometer wieder genießen. In 3:47:16 Stunden schließlich finishte ich meinen ersten Marathon; in etwa die Zeit, welche ich auch erwartet hatte. Diese Zeit ist eine Bruttozeit, da es damals noch keine Chips gab. Wie lange ich vom Startschuss bis zum überschreiten der Startlinie gebraucht hatte, weiß ich nicht mehr. Ich belegte den 8701. Gesamtplatz und in der Altersklasse MH Platz 2137. Mein Bruder kam genau eine Stunde nach mir ins Ziel.
Auch wenn ich mich am Ende richtig gequält hatte, war dieser erste Berlin-Marathon eine wunderbare Erfahrung für mich. Dass ich danach nun jeden Berlin-Marathon bis heute mitlaufen würde, ahnte ich ganz und gar nicht. Selbst die Frage, ob ich überhaupt noch einen weiteren Marathon würde laufen wollen, hätte ich an dem Abend des 1. Oktober 1989 nicht bejaht.
Die Tage danach konnte ich nicht, ohne mich am Geländer abzustützen, die Treppen herunter gehen. Aber die Muskelschmerzen vergingen schließlich. Was sich nicht so schnell erholte, waren meine Knieaußenbänder, die mir auch beim Marathon geschmerzt hatten, was ich jedoch ignoriert hatte. Bei jedem Laufversuch danach hatte ich nach einigen Minuten wieder Schmerzen, so dass ich mich veranlasst sah, den kompletten Winter 1989/90 zu pausieren. Im Frühjahr fing ich dann wieder an mit Laufen und bin bis heute dabei geblieben! Die diesjährige Laufpause von acht Wochen wegen Plantarfasziitis war meine längste Laufpause seit dem Winter 1989/90.
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