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Frank P. - Meine Laufberichte





14.10.2018 Burgenlauf Bad Belzig über 25 km

Auch wenn ich mittlerweile auf eine drei Jahrzehnte währende Laufkarriere zurückblicken kann, gibt es immer noch Laufwettbewerbe mit Tradition in der Region, an denen ich noch nicht teilgenommen habe. Einer dieser Traditionsläufe war der Burgenlauf in Bad Belzig über 25 km. Letzten Sonntag fand die 41. Auflage statt und für mich war es die erste Teilnahme. Der Grund ist ein ganz einfacher: Der Lauf findet traditionell immer am zweiten Sonntag im Oktober statt und das ist in der Regel immer 14 Tage nach dem Berlin-Marathon und für mich als Langsamregenerierer zu knapp nach dem Marathon.

Dieses Jahr lag durch den frühen Berlin-Marathon vier Wochen dazwischen. Außerdem hatten wir herrliches Spätsommerwetter. Daher entschloss ich mich kurzfristig, teilzunehmen. Was mich noch hatte zögern lassen war die Aussicht, dass ich der einzige Fori sein würde. Ich bin aber harriersand dankbar, dass sie mir im Forum zugeraten hatte, als ich fragte, ob noch jemand anders mitmachen würde und sich niemand gemeldet hatte.

In früheren Jahren sind ja häufig Foris mitgelaufen und hatten fast immer nur Positiveres berichtet. Besonders im Gedächtnis ist mir der Bericht von harriersand aus dem Jahr 2013 geblieben, als sie von durchgeweichten Wegen mit 30 cm tiefen Schlammlöchern schrieb, die man auch nicht umlaufen konnte. Aufgrund der großen Trockenheit in diesem Sommer und bisherigen Herbst waren solche Bodenverhältnisse jedoch für dieses Jahr vermutlich nicht zu erwarten. ;-)

Nach Bad Belzig kommt man bequem mit dem Regionalzug vom Bhf. Zoo aus in 55 Minuten und braucht damit beispielsweise genau so lang, aber ohne Umsteigen, wie nach Sacrow, wo sich ein Wechselpunkt des Mauerweglaufes befindet.
Beim Aussteigen aus dem Zug in Bad Belzig traf ich Detlef, einen Berliner Läufer, den ich seit Jahren oder Jahrzehnten vom Sehen her von den Berliner Wettkämpfen kenne. Wir gingen gemeinsam die viertel Stunde vom Bahnhof zur Burg Eisenhardt, eine in weiten Teilen sehr gut erhaltene Burganlage am südwestlichen Rand der Stadt Bad Belzig, wo sich das Ziel des Laufes befand und man sich nachmelden konnte. Detlef erzählte mir als langjähriger Teilnehmer dabei einiges über den Lauf und die Logistik, so dass ich mich gut vorbereitet fühlte, auch wenn es mein erster Start in Bad Belzig war. Die Nachmeldung verlief problemlos und kostete 25 Euro inkl. 5 Euro Nachmeldegebühr.

Um 9:45 Uhr gab es einen sogenannten Ehrenstart auf der Burg: Angeführt von zwei Reitern wurden wir hinunter in die Altstadt geführt, wo es um 10 Uhr vor dem Rathaus den sogenannten heißen Start gab.

Burgenlauf 2018
Der Ehrenstart. Links ist das spätere Ziel zu sehen. Foto: burgenlauf.de


Außer dem 25-km-Lauf gab es auch in einem gemeinsamen Start noch einen 8-km-Lauf mit identischem Ziel. Obwohl der 25-km-Lauf laut Veranstalter das Herzstück des Burgenlaufes ist, sind die Teilnehmerzahlen, anders als beim 8-km-Lauf, seit Jahren rückläufig. Waren vor wenigen Jahren noch rund 400 Teilnehmer auf der 25-km-Strecke üblich, gab es in diesem Jahr nur noch 120 Anmeldungen, worüber die Veranstalter durchaus betrübt sind und sie zu Überlegungen zwingt, möglicherweise in der Zukunft etwas zu ändern…

In der engen Startaufstellung vor dem Rathaus hatte ich mich bewusst weiter hinten eingereiht, weil ich das Rennen langsam angehen wollte. Ich war mir nicht sicher, wie ich als Langsamregenerierer das Rennen überstehen würde. Ich wollte jedenfalls nicht, dass es mir so ergehen würde wie bei einigen langen Trainingsläufen in diesem Jahr in der Vorbereitung zum Berlin-Marathon, als 5 km vor Ende meiner vorgesehenen Trainingsdistanz nichts mehr ging, weil ich ein offenbar zu schnelles Anfangstempo eingeschlagen hatte, welches in früheren Jahren passend war, ich nun aber nicht mehr durchhalten kann. Für den Burgenlauf hatte ich mir ein Tempo zwischen 6 und 6:15 Min./km vorgenommen, genau das Tempo, dass ich auch in der Endphase der Berlin-Marathon-Vorbereitung lief und mit dem ich gut zurechtkam.
Meinen Garmin hatte ich bewusst zu Hause in Berlin gelassen. Ich wollte das Tempo nach Gefühl bestimmen und finden.

Die ersten Kilometer musste ich mich ohnehin dem Läuferfluss anpassen. Aufgrund der vielen 8-km-Lauf-Teilnehmer war das Feld zunächst sehr dicht, ähnlich wie beim Berlin-Marathon, und Überholen war nicht so einfach möglich. Aber ich hatte auch das Gefühl, dass das Tempo passte.
Den Ort verließen wir schnell und liefen bald in einem Waldstück auf einem nicht wirklich gut belaufbaren Waldweg. Nach 3,x km wurden die 8-km-Läufer nach links abgeleitet und für die 25-km-Läufer wurde es fast schlagartig ruhig. Ich hatte niemanden mehr direkt vor mir und niemanden mehr direkt hinter mir. Der Waldweg wurde zu einem Feldweg und der Feldweg wurde zu einem asphaltieren Weg.

Wir näherten uns dem Hagelberg, mit 200 m eine der höchsten Erhebungen im Norddeutschen Tiefland (Wikipedia). Das Gelände um den Hagelberg war sieben Wochen vor der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ein Schlachtfeld, auf dem 11.400 preußische Landwehrsoldaten, unterstützt von russischen Kosaken, 10.000 napoleonische Soldaten besiegten. Die Laufstrecke führte fast direkt am Schlachtfeld vorbei (burgenlauf.de). Belzig und Umgebung wurde übrigens erst 1815 im Zuge des Wiener Kongresses Preußen zugeschrieben und gehörte bis dahin zu Sachsen.

Erst nach 5 km gab es das erste Kilometerschild, wo ich also erstmals mein Tempo kontrollieren konnte. Ich war etwas erschrocken, dass ich bereits 31:45 Minuten unterwegs war und somit einen Schnitt etwas langsamer als 6:20 Min./km lief. Gefühlt hatte ich aber den Eindruck, dass das Tempo für mich richtig war und nahm mir vor, daran nichts zu ändern. Es war schließlich auch bergauf gegangen, was ich allerdings nicht als anstrengend empfand.

Einsam war das Rennen wirklich sehr. Ich lief ganz allein. Nur noch auf langen Geraden konnte ich in der Entfernung vor mir Läufer sehen. Hinter Schlamau liefen wir in ein Waldstück herein und es ging mir genauso wie vor fünf Jahren harriersand:

Zitat aus harriersands Bericht von 2013:
"Ich war mutterseelenallein. ... Dazu schwieg auch die Natur, kein Wind ließ den Wald rauschen, kein Specht klopfte, kein Häher, keine Krähe. Aber es war ja auch „die Stunde des Pan“, die Mittagsstille zur Zeit des höchsten Sonnenstandes, allerdings nicht schwül und sommerlich. Mir wurde das etwas unheimlich, entweder waren die anderen richtig weit zurückgefallen oder sie hatten irgendwo eine Abkürzung genommen. "

Ich war mir zwar sicher, dass ich mich nicht verlaufen hatte, da ich auch immer wieder Markierungen an der Strecke sah, aber diese Stille war mir doch etwas unheimlich. So etwas kannte ich weder aus Berlin noch von irgendwoher. Auch wenn die Gegend dünn besiedelt war, so musste man doch irgendwelche Tiere hören: Vögel, Insekten. Aber nichts dergleichen. Selbst später auf freiem Feld war es vollkommen still. Mein eigener Laufschritt war das einzige, was man hören konnte. Ich war regelrecht dankbar, als endlich ein Rabe am Himmel erschien und näher kam und krähte. Auch in den Dörfern war es ruhig und häufig wie ausgestorben. Ganz selten standen mal ein paar Menschen am Streckenrand und applaudierten, wofür ich mich jedes Mal laut bedankte.

Unangenehm war mir manchmal der Untergrund: Mal waren die Wald- oder Feldwege sehr uneben, mal sehr sandig und manchmal gab es grobe Steine, die meine Fußsohlen und meine linke Plantarfaszie, mit der ich 2009 und 2010 große Probleme hatte, zum Schmerzen brachten. Strecken mit solch einem groben Untergrund wähle ich normalerweise nicht einmal für meine Trainingsläufe aus. Ein großer Freund von Trailläufen werde ich wohl nicht mehr werden…
Vom Untergrund und von der irritierenden Stille abgesehen habe ich diesen Landschaftslauf aber sehr genossen. Sehr genossen habe ich natürlich auch das herrliche Spätsommerwetter, wodurch die herbstliche Landschaft mit den unterschiedlichen Farben der Blätter auf den Bäumen sicherlich als noch viel schöner wahrgenommen wurde.

Etwa zum Ende des letzten Drittels konnte ich zu ein paar wenigen Läufern, die vorher weit vor mir waren, aufschließen und sie gar überholen, obwohl ich nur geringfügig schneller wurde. Für das zweite Fünftel benötigte ich 30:46 Minuten, für das dritte Fünftel 30:38 Minuten und für das vierte Fünftel 30:08 Minuten. Für mich war es also ein Accelerando-Lauf. ;-)
Ich fühlte mich zum Ende des Laufes sogar besser als am Anfang.

Nach der dritten und letzten Verpflegungsstelle, die etwa bei km19 postiert war und wo ich, anders als bei den ersten beiden VPs, sogar anhielt, um ordentlich Tee und Wasser zu trinken und sogar ein Stück Banane zu essen, fühlte ich mich gestärkt und fit, um die letzten Kilometer noch mit einer Art Endbeschleunigung anzugehen.

Burgenlauf 2018
Verpflegungspunkt 3 bei ca. km19. Foto: burgenlauf.de


Der Waldweg auf diesem letzten Abschnitt war ganz neu gemacht und war recht eben. Früher gab es dort wohl die schlimmsten Matschsuhlen, wie man mir erzählte. Jetzt konnte man aber dort gut und zügig laufen. Ich überholte noch zwei oder drei weitere Läufer.

Die letzten zwei Kilometer ging es schließlich auf einer Landstraße entlang, wo man erst recht gut laufen konnte. Der nächste Läufer vor mir war ziemlich weit weg und gerade so zu sehen. Am weißen T-Shirt und den weiß-blonden Haaren konnte ich erkennen, dass es Detlef sein musste. Ich beschleunigte mein Tempo noch einmal mehr. Der Abstand zu Detlef wurde geringer, aber dann erreichten wir auch schon den Ort. Wie weit es noch genau bis zum Ziel war, wusste ich nicht, weil wir von einer anderen Seite in den Ort einliefen. Ich wusste nur, dass es ganz am Ende noch einmal eine kurze heftige Steigung auf grobem Kopfsteinpflaster hoch zur Burg Eisenhardt geben würde.

Eigentlich hatte ich es schon abgeschrieben, Detlef noch vor dem Ziel einholen zu können. Am Ortseingang standen zwei bereits gefinishte Läufer, welche die einlaufenden Läufer noch einmal persönlich anfeuerten, auch mich: „Du siehst noch gut aus! Den Läufer vor Dir kriegst Du noch!“ Daraufhin beschleunigte ich noch ein weiteres Mal. Als es plötzlich nach links hoch ging und es die Kopfsteinpflastersteigung zur Burg zu bewältigen galt, betrug der Abstand zwischen mir und Detlef nur noch ein paar Meter und wurde immer geringer. Leider war der Zielanstieg zu kurz, denn Detlef rettete seinen Vorsprung vor mir ins Ziel.

Trotzdem war ich richtig zufrieden mit dem Lauf und mir im Ziel! Das Rennen hat großen Spaß gemacht und ich hatte es gut eingeteilt. Im Grunde bin ich zu langsam gestartet. Das wäre nicht passiert, wenn ich meinen Garmin dabei gehabt hätte. Dann wäre ich am Ende nicht nur vor Detlef gelandet, sondern auch unter zweieinhalb Stunden geblieben. So aber hatte ich eine Gesamtzeit von 2:31:21 Stunden. Für das letzte Fünftel benötigte ich 28:02 Minuten. Der Lauf war von der Tempoeinteilung im Grunde wie ein Trainingslauf vor dem Berlin-Marathon mit Endbeschleunigung, nur dass er nicht 30 km lang war sondern bereits nach 25 km zu Ende war.

Ich bin sehr froh, dass ich es nach so vielen Jahren noch geschafft habe, bei diesem schönen Lauf teilnehmen zu können. Es wäre sehr schade, wenn der traditionsreiche 25-km-Burgenlauf mangels Teilnehmer sterben würde.




5km-SplitZeitGesamt
1-531:44
6-1030:461:02:30
11-1530:381:33:09
16-2030:092:03:18
21-2528:022:31:20






Burgenlauf 2018
Die gescannte Urkunde

















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