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29.09.2019 Berlin-Marathon
All-Time-Worst aber glücklich und zufrieden!
Hätte mir vor vor einem Jahr jemand vorausgesagt, dass ich beim Berlin-Marathon 2019 eine Zeit von 4:44 Std. laufen würde, hätte ich das entweder gar nicht geglaubt oder ich wäre not amused gewesen und hätte mir ausgemalt, dass ich darüber sehr frustriert sein werde.
Nun bin ich letzten Sonntag beim Berlin-Marathon genau diese 4:44 Std. gelaufen, aber ich bin keineswegs frustriert sondern erleichtert und zufrieden und blicke auf einen Marathon zurück, der mir wirklich Spaß gemacht hat.
Wie ist das möglich? Lest bitte der Reihe nach:
Schon für den Edinburgh-Marathon am 26. Mai diesen Jahres (ich berichtete) konnte ich wegen einer Achillessehnenreizung, die ich mir Anfang Februar zugezogen hatte, nur sehr eingeschränkt trainieren und bin deshalb in Edinburgh in 4:24 Std. meinen langsamten Marathon aller Zeiten gelaufen. Der Berlin-Marathon sollte wieder besser werden. Um mich der immer noch anhaltenden Beschwerden in der Achillessehne zu entledigen pausierte ich nach dem Edinburgh-Marathon noch einmal komplett für mehr als einen Monat. Als ich im Juli vorsichtig wieder das Training aufnahm, tauchten die Beschwerden jedoch erneut auf. Da ich allerdings nach 30 erfolgreichen Berlin-Marathons in Folge diese Serie nicht reißen lassen wollte, setzte ich das Training weiterhin fort, aber sehr dosiert. Ein Trainingstempo schneller als 6 Min./km ging gar nicht und auch die langen Läufe musste ich minimieren. Als längste Distanz bin ich die 32 km im Rahmen des Mauerweglaufes am 17. August gelaufen. Ansonsten bewältigte ich einmal 28, einmal 23 und einmal 20 km. Die höchste Wochenkilometerzahl betrug 45. Auf weitere Wettkämpfe verzichtete ich ganz und gar.
Somit war meine zu erwartende Zielzeit schwer einzuschätzen. Dass ich noch langsamer als in Edinburgh sein würde, war mir jedenfalls klar, weil sowohl Trainingsvolumen als auch -qualität vor dem Berlin-Marathon sich auf noch niedrigerem Niveau bewegten als vor dem Edinburgh-Marathon. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich alle 42 km würde durchlaufen können, weil mir das bei den o.g. wenigen langen Läufen auch nicht gelang. Sollte es aber mit dem Durchlaufen klappen, würde ich am Ende eine Zeit zwischen viereinhalb und fünf Stunden benötigen, rechnete ich mir aus. Die Gefahr, gar nicht finishen zu können, bestand natürlich auch. Auch wenn ich ein Kämpfertyp bin und an mangelnder Quälbereitschaft es nicht scheitern würde, konnte ich nicht sicher sein, dass die Achillessehne bis zum Ende halten und die Schmerzen gering bleiben würden.
Einen Lichtblick gab es jedoch neben diesen finsteren Aussichten: Annemarlen aka Ulrike hatte im Forum gelesen, wie langsam ich unterwegs sein würde und bot mir an, in diesem Jahr mit mir gemeinsam den Berlin-Marathon zu laufen. Das langsame Tempo wäre auch für sie passend. Dieses nette Angebot nahm ich natürlich sehr gerne an. Ich hatte lediglich etwas Sorge, dass Ulrike sich im Verlauf des Marathons langweilen könnte, falls ich das Tempo stark heraus nehmen oder gar Gehpausen einlegen müsste. In diesem Falle sollte sie dann ruhig davon ziehen.
Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich von Startblock G mit der dritten Startwelle gestartet, was bei unserem Tempo aber genau richtig war. Mit meiner Berechtigung für Block D auf meiner Startnummer wurde ich 2-3-mal von Helfern beinahe zurückgewiesen, habe mich aber nicht abweisen lassen.
Startschuss für unsere Welle war um 9:50 Uhr. Wir standen weit hinten im Block, damit wir erst einmal unbedrängt laufen konnten. Und so war es dann auch. Das galt aus meinem Empfinden übrigens für den gesamten Berlin-Marathon mit Ausnahme von einzelnen Verengungen. Es wird immer wieder geschrieben, dass es beim Berlin-Marathon zu eng ist und man nicht so laufen kann wie man möchte. Wenn ich in früheren Jahren schrieb, dass es in meinem Bereich gar nicht so schlimm war, wurde mir stets entgegen geworfen, dass ich ja weiter vorn lief, wo es wohl ganz anders sei. Ich müsse mal mitten im großen Feld mitlaufen. Dann würde ich einsehen, dass man beim Berlin-Marathon als normaler, durchschnittlicher Läufer nicht gut voran kommt und es zu eng ist. Tja und nun lief ich mitten im Mittelfeld und kam bei Rekordbeteiligung genau so gut voran wie früher in den vorderen Blöcken.
Noch entspannt auf dem 3. Kilometer vor dem Ernst-Reuter-Platz. Fotos von Hübi
Unser Tempo, das ich vorgeben sollte, pendelte sich nach den ersten leicht zu schnellen Kilometern auf etwa 6:45 Min./km ein. Schneller wollte ich auf keinen Fall laufen, weil ich aufgrund meiner Trainingserfahrung wusste, dass ich das nicht würde durchhalten können. Ich rechnete damit, dass ich zum Ende des Rennens hin bestenfalls 7er Tempo schaffen würde und möglicherweise Gehpausen erforderlich sein würden. Um es vorweg zu nehmen: Ich musste weder Gehpausen einlegen noch musste ich das Tempo auf 7er Schnitt drosseln. Zwar sind wir positive Splits gelaufen. Zieht man jedoch die Stopzeiten am Foristand, am Babs&BK-Point und bei Hübi am Knackpunkt ab, fallen diese kaum noch ins Gewicht. Im Grunde sind wir bis zum Ende weitgehend gleichmäßig gelaufen, auch wenn es für mich dann anstrengend wurde. So gut lief es im Training nie. Auch die Achillessehnen-Schmerzen wurden nicht spürbar schlimmer.
Kilometer Splits 5km Gesamt 1 6:26 0:06:26 2 6:19 0:12:45 3 6:33 0:19:18 4 6:23 0:25:40 5 6:31 32:09 0:32:11 6 6:32 0:38:43 7 6:45 0:45:27 8 6:45 0:52:12 9 6:43 0:58:54 10 6:38 33:22 1:05:32 11 6:35 1:12:07 12 6:43 1:18:50 13 6:45 1:25:35 14 6:47 1:32:21 15 6:50 33:39 1:39:11 16 6:34 1:45:46 17 6:39 1:52:25 18 6:51 1:59:16 19-20 13:22 33:27 2:12:38 21 6:32 2:19:10 22 6:51 2:26:00 23 6:45 2:32:45 24-25 15:02 35:11 2:47:49 26 6:53 2:54:42 27-28 13:29 3:08:11 30 33:55 29-31 20:19 3:28:30 32 6:37 3:35:07 33 7:02 3:42:09 34 6:22 3:48:31 35 7:14 34:04 3:55:45 36 7:00 4:02:45 37 6:44 4:09:29 38-39 13:40 4:23:09 40 6:48 34:11 4:29:56 41 6:32 4:36:28 42 6:36 4:43:04 Ziel 1:19 4:44:23
Quelle: https://berlin.r.mikatiming.com/2019/?content=detail&fpid=search&pid=search&idp=99999905C9AF8600004A204E&lang=DE&event=MAL&search[start_no]=674&search_event=MAL
Durch meine nette Begleitung wurde ich immer gut unterhalten. Ich bekam gar keine Gelegenheit, über meine gesundheitlichen Probleme und meine Langsamkeit ins Grübeln zu kommen und zu Hadern. U.a. hat mir Ulrike bei ihrem 42. Marathon von allen ihren 41 Marathons zuvor erzählt und das chronologisch Kilometer für Kilometer.
Anfeuerung bei Regen kurz nach km19 auf der Gneisenaustraße. Fotos von Natalie Raima
So war also unsere Laune gut und weder die schon ausgegangenen Getränke am Forumsstand noch das schlechte Wetter konnten daran viel ändern. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn es trocken geblieben wäre. Aber auch bei dem Regenwetter hat uns der Berlin-Marathon großen Spaß gemacht. Zumindest bis zum Start blieb es trocken.
Bei km34,5 auf dem Ku'damm (Knackpunkt) mit Biba und André. Fotos von Hübi
Sehr gefreut haben mich auch jegliche Anfeuerungen, die es gab.
Auch wenn die Zahl der Zuschauer wegen des Regenwetters niedriger als sonst war, war die Stimmung dagegen nicht schlechter als sonst.
Schade war es, dass das Après auf der Reichstagswiese natürlich ins Wasser fiel. Das hätte diesen schönen Marathontag noch abgerundet. Aber man kann nicht alles haben.
Die Serie hat gehalten und die Sehne auch! :-)
Nun ist aber erst einmal komplette Laufpause angesagt. Die nächsten sechs Monate werde ich voraussichtlich keinen Wettkampf bestreiten und auch für einen Frühjahrsmarathon 2020 werde ich mich nicht anmelden. Mein Wunsch und Ziel ist es, den Berlin-Marathon 2020 wieder gesund und schmerzfrei mitlaufen zu können.
Mein besonderer Dank gilt natürlich an Ulrike für die wunderbare Begleitung!
Vielen Dank auch allen anderen, die zum schönen Marathonerlebnis und dem schönen Marathonwochenende beigetragen haben!
Scan der Startnummer
Scan der Rückennummer
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