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Frank P. - Meine Laufberichte






26.09.2021 Berlin-Marathon

Comeback nach zwei Jahren

Am Nachmittag des 30. April diesen Jahres, dem offiziell letztmöglichen Anmeldetag für den diesjährigen Berlin-Marathon für Jubilee-Club-Mitglieder, hatte ich für mich nach langem Überlegen beschlossen, dass ich mich nicht für den Berlin-Marathon anmelden werde. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Berlin-Marathon stattfinden würde, schätzte ich angesichts der Corona-Pandemie als sehr gering ein. Schon ein Jahr zuvor fand kein Berlin-Marathon statt und in den Griff bekommen hatten wir die Seuche bislang noch nicht. Zwar waren schon wirksame Impfstoffe entwickelt, aber diese standen noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, sodass normale gesunde Bürger noch gar nicht die Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen.
Kurz vor Mitternacht des 30. April, also wenige Minuten vor Ablauf der offiziellen Meldefrist, meldete ich mich dann doch noch für den Berlin-Marathon an. Die Vorstellung, dass der Berlin-Marathon möglicherweise doch stattfinden könnte und ich nicht dabei sein würde, war mir unerträglich. Schließlich habe ich seit meiner ersten Teilnahme 1989 keinen Berlin-Marathon, der stattfand, mehr verpasst und diese Serie sollte auch nicht reißen.

Dennoch hatte ich Zweifel, ob diese Entscheidung richtig war. Am darauf folgenden Tag, also am 1. Mai, zog ich mir nach wenigen Trainingsmetern einen Muskelfaserriss in der linken Wade zu. Das passte in die Reihe meiner gesundheitlichen Probleme (Haglund-Ferse, Achillessehnenentzündung, Handgelenks-OP), die mich seit rund zwei Jahren plagten und dazu führten, dass ich seit dieser Zeit praktisch gar nicht trainieren konnte und ich teilweise mehrere Monate am Stück keinen einzigen Kilometer gelaufen bin. So wurde ich also erneut wieder ausgebremst.

Der Termin des vorgesehenen Berlin-Marathons rückte immer näher, ohne dass ich überhaupt das Training aufnehmen konnte. Mitte Juli war die Verletzung endlich so weit ausgeheilt, dass ich zumindest mit vorsichtigem Lauftraining beginnen konnte. Dennoch war die verbleibende Zeit knapp. Der Mauerweglauf Mitte August, wo ich Mitglied einer ForumTeam-4er-Staffel war, kam für mich zu früh. Zum Glück ist Annemarlen für mich eingesprungen. Endlich konnte ich schmerzfrei trainieren und auch etwas höhere Umfänge laufen, was ich auch tat. Von Woche zu Woche steigerte ich meine langen Läufe von einen 15er über einen 20er und einen 25er zu einem 30er, den ich dann auch noch einmal wiederholen konnte. Ansonsten bin ich keinen einzigen Trainingslauf mit mehr als 11 km gelaufen. Das Tempo war nie schneller als 6er Schnitt und bei den längeren Läufen eher in Richtung 6:30 Min./km.

Gerade noch rechtzeitig bin ich Form gekommen, um den Berlin-Marathon finishen zu können. Eine nennenswert bessere Zeit als vor zwei Jahren, als ich ebenfalls wegen verletzungsbedingt wenig Training mit 4:44 Std. all-time-worst gelaufen bin, rechnete ich mir dennoch nicht aus. Ich rechnete in etwa mit einer ähnlichen Zeit. Lediglich die acht Wochen Training vor dem Berlin-Marathon waren besser als vor zwei Jahren, ansonsten gab es die letzten 12 Monate so gut wie gar nichts an Training.

Die Startnummernabholung auf der Marathon-Messe mit den Corona-Kontrollen verlief erstaunlich problemlos und schnell, viel schneller sogar als in anderen Jahren bei diesmal nur 25.000 Teilnehmern. Auch im Start- und Zielbereich war alles entspannter als sonst.

Weil es vor zwei Jahren so gut gepasst und großen Spaß gemacht hat, wollten Annemarlen und ich wieder gemeinsam laufen, wobei Annemarlen ihre Form wegen wenig Training als schlechter einschätzte.

Wir starteten im Block G mit der dritten Welle um 10:05 Uhr. Das Tragen von Masken bis zur Startlinie war nicht wirklich ein Problem. Die Temperaturen empfanden wir bereits nach dem Start in der Sonne als zu warm. Das angestrebte Tempo von 6:30 Min./km mussten wir erst einmal finden. So richtig perfekt gelang es uns auch gar nicht. Fast immer waren wir ein paar Sekunden zu schnell.

Ich hatte von Anfang an großen Spaß am Laufen. Nach genau zwei Jahren ohne Wettkampf, was seit dem Beginn meiner Läuferkarriere 1988 noch nie der Fall war, konnte ich den Lauf noch mehr genießen als sonst schon. Die Zahl der Zuschauer war zwar wohl etwas geringer als in anderen Jahren, aber ich hatte den Eindruck, dass die Begeisterung dafür eher größer war. Auch die Zuschauer haben sich gefreut, bei schönem Wetter endlich wieder anfeuern zu können, was ich sehr genoss.


Berlin-Marathon 2021
Zufällig fotografiert in der Reinhardtstraße kurz vor dem Friedrichstadt-Palast. Foto von Thomas aus dem Hübi-Forum



Bevor Annemarlen und ich km10 erreichten, kündigte Annemarlen an, Tempo herauszunehmen und sich etwas zurückfallen zu lassen. Für sie war das Tempo doch etwas zu schnell und wir verabredeten uns zum Après auf der Reichstagswiese.
Ab dem 11. Kilometer lief ich also allein weiter. Da das bisher gelaufene Tempo für mich gut passte, bin ich einfach so weiter gelaufen und konnte den Berlin-Marathon weiter genießen.
Zwischen Herrmannplatz und Südstern überholte ich Hosiannarunner, der walkte und dem es leider nicht mehr so gut ging. So etwa ab der HM-Marke spürte ich, dass die Beine langsam schwerer wurden, aber Tempo herausnehmen wollte ich trotzdem nicht.

Beim Foristand in Friedenau vor km25 war ich deshalb natürlich einige Minuten früher da als am Abend zuvor gegenüber harriersand angekündigt. Ich hatte ohnehin vor, stehen zu bleiben, weshalb es überhaupt nicht schlimm war, dass das Bier für mich noch nicht eingeschenkt war. ;-) So bekam ich dann direkt frisch eingeschenktes gekühltes alkoholfreies Bier zu trinken, das in diesem Moment wirklich köstlich war. Auch die gekochten und gesalzenen Kartoffeln schmeckten gut und waren für mich gut bekömmlich. Als ich nach ca. drei Minuten wieder los lief, hatte ich den Eindruck, dass ich wieder mehr Energie hatte für die noch zu absolvierenden 17 Kilometer.
Weiterhin konnte ich das Tempo halten. Am Babs-Point habe ich mich über die Anfeuerungen von Babs und BK gefreut. Ein paar hundert Meter weiter, kurz vorm Roseneck, stand Hübi am Straßenrand und hat zwei Fotos von mir gemacht.


Berlin-Marathon 2021
riesige Hand zum Abklatschen ;-)

Berlin-Marathon 2021
ca. km 29 Rheinbabenstraße kurz vor dem Roseneck. Fotos von Hübi



Auf dem Hohenzollerndamm wurden die Beine wieder etwas schwerer, aber es war nicht schlimmer als in anderen Jahren, wo ich zwar besser trainiert war, aber auch ehrgeizigere Ziele hatte und deshalb auch immer beißen musste, um das Tempo zu halten. So bin ich dann Kilometer um Kilometer weiter gelaufen und habe auf einen Einbruch gewartet, der aber nicht kam. Bei einem so fantastischen Lauf wie dem Berlin-Marathon sind die Schmerzen in den Muskeln auch nicht so schlimm. Man wird ja durch diesen wunderbaren Lauf um ein Vielfaches entschädigt.

Bis zum Ende hat mir der Lauf große Freude bereitet. Herzlichen Dank an alle, die mich angefeuert haben!
Ich hatte gar nicht zwischendurch hochgerechnet, welche Endzeit ich wohl erreichen würde. Klar war nur, dass ich deutlich schneller als vor zwei Jahren sein würde und möglicherweise sogar nah an die Viereinhalbstundenmarke herankommen würde. Das war zusätzlich Motivation, auf den letzten Kilometern nicht nachzulassen. Bei km41 rechnete ich hoch, dass es tatsächlich sogar klappen könnte unter 4:30 Std. zu bleiben und gab noch mal alles, vor allen Dingen ab dem Brandenburger Tor bis ins Ziel. Richtig gut im Kopf hochgerechnet habe ich allerdings doch nicht, wie sich nach Zieleinlauf herausstellte, denn die Sprinterei am Ende wäre in dem Maße überhaupt nicht nötig gewesen. Meine offizielle Nettozeit war schließlich 4:28:43 Std. Das war natürlich all-time-second-worst, worüber ich aber angesichts meiner gesundheitlichen Vorgeschichte richtig glücklich bin. Zweieinhalb Monate zuvor wusste ich nicht einmal, ob ich überhaupt das Ziel erreichen würde. Mit acht Wochen Training zum richtigen Zeitpunkt kann man also Einiges erreichen. ;-)

Was meiner Leistung mit Sicherheit auch gut getan hat, war das Radfahren. Die vielen langen Ausfahrten mit dem Rennrad im Frühling und Frühsommer mit Distanzen von 100 km und mehr waren ein gutes Ausdauertraining.

Mit dem warmen Wetter bin ich letztlich ganz gut klar gekommen. In früheren Jahren, bei schnellerem Tempo, war das schwieriger. Auf jeden Fall war mir dieses Wetter lieber als vor zwei Jahren der Dauerregen.

Dieser Marathon war übrigens, wenn man Ultras mitrechnet, mein 50. Marathon!






KilometerSplits5kmGesamt
16:040:06:04
26:170:12:21
36:240:18:45
46:130:24:57
56:3331:280:31:30
66:220:37:52
76:120:44:04/td>
86:290:50:33
96:190:56:52
106:3531:571:03:26
116:211:09:48
126:151:16:03
136:171:22:20
146:171:28:38
156:1931:311:34:56
166:131:41:10
176:151:47:24
186:211:53:46
196:111:59:57
206:2431:242:06:21
216:172:12:37
226:262:19:03
23-2521:5434:372:40:57
26-2712:472:53:45
286:253:00:10
296:153:06:25
306:0431:313:12:29
316:163:18:44
326:173:25:02
339:293:31:31
34-3512:2931:333:44:00
366:383:50:38
376:223:57:00
386:194:03:19
396:174:09:36
406:1431:564:15:50
416:154:22:05
425:494:27:54
Ziel0:494:28:43





Berlin-Marathon 2021
Quelle: https://berlin.r.mikatiming.net/2021/?content=detail&fpid=search&pid=search&idp=HCH3C0OH2A224&lang=DE&event=BML&search%5Bstart_no%5D=674&search_event=BML





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