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Frank P. - Meine Laufberichte






15.05.2022 25 km von Berlin

Beinahe DNF

Vermutlich hätte ich diesen Bericht gar nicht mehr geschrieben, hätte nicht ausdrücklich im Laufforum jemand danach gefragt. Zu groß ist auch heute, 13 Tage nach dem Wettkampf, noch der Frust, der mir die Lust am Berichtschreiben nimmt. Aber nun ringe ich mich also durch:

Mit dem Fahrrad bin ich entspannt zum Olympiastadion gefahren. Das Wetter war schön, die Temperaturen für einen Wettkampf etwas zu warm, aber nicht so warm (ca. 20 Grad C.), dass man von schwierigen Bedingungen sprechen müsste. Da habe ich bei den 25 km von Berlin schon ganz andere Temperaturen erlebt.

Obwohl ich wegen Corona und aufgrund von Verletzungen in den letzten drei Jahren nur sehr wenige Wettkämpfe gelaufen bin und die 25 km von Berlin der erste Wettkampf des Jahres für mich bedeutete, verspürte ich jedoch keine allzu große Lust auf diesen Wettkampf. Vermutlich hauptsächlich wegen meiner schlechten Form. Das Training in diesem Jahr bisher verlief mal wieder nicht gut. Immer wieder gesundheitliche Probleme, diesmal mit der Muskulatur des rechten Oberschenkels, verhinderten, dass ich gut vorbereitet an den Start gehen konnte. Die Trainingsdecke war äußerst dünn und auch aufgrund des langsamen Trainingstempos von fast immer über 6 Min./km war vorher klar, dass ich eine schlechte Zeit laufen würde. Ich rechnete in etwa mit einer Endzeit so um die 2:40 Std., was einen Schnitt von knapp 6:30 Min./km bedeutete.

Im Grunde bin ich gut ins Rennen gekommen. Das für mich passende Tempo von etwa 6:20 Min./km auf den ersten Kilometern, wo es etwas bergab geht, hatte ich schnell gefunden, was nicht schwierig war, weil es auch meinem Trainingstempo entsprach. So war ich guten Mutes, dass ich so wie geplant durchkommen würde, wobei mir natürlich klar war, dass die letzten Kilometer, wo es dann wieder bergauf geht, langsamer als 6:30 Min./km werden würden.

Auf der Straße des 17. Juni, nach der Siegessäule und noch vor dem Abzweig der Halbmarathonläufer nach rechts, kurz vor km8, verspürte ich plötzlich völlig aus dem Nichts ein richtig schmerzhaftes Stechen in der hinteren rechten Oberschenkelmuskulatur. Genau dort habe ich seit Anfang des Jahres ständig Probleme mit immer wieder leichten Schmerzen. Aber solch ein schmerzhaftes Stechen hatte ich noch nie. Ich musste wegen der Schmerzen sofort stoppen und ging davon aus, dass mein Wettkampf damit beendet sein würde, mein erstes DNF nach 34 Wettkampfjahren! Ich ging von einem Muskelfaserriss aus, wie ich ja in der Vergangenheit schon welche in den Waden hatte, aber noch nie im Oberschenkel.

Nachdem ich dann am Straßenrand stand und den Oberschenkel versuchte zu massieren, war der stechende Schmerz wieder weg. Ich verspürte nur noch einen leichten Schmerz. Schließlich machte ich ein paar Gehübungen und stellte fest, dass ein Gehen fast schmerzfrei möglich war. Wenn Gehen möglich ist, dann ist vielleicht ja auch ein ganz langsames Laufen mit einem anderen Laufstil möglich? Ich verspürte wieder Hoffnung, womöglich doch noch finishen zu können und machte mich ganz langsam und vorsichtig wieder auf den Weg. Ich stellte fest, dass ein langsames Laufen weitgehend schmerzfrei tatsächlich möglich war, wenn ich mit dem rechten Fuß nicht fest auftrete, keine großen Schritte mache und das rechte Bein kaum anhebe. So begab ich mich also wieder ins Rennen, obwohl man von Rennen natürlich nicht sprechen kann, eher von Schleichen.

Aber es funktionierte!
Natürlich hatte ich ständig Sorge, dass plötzlich die Schmerzen wieder groß werden würden und ich doch noch würde abbrechen müssen.
Kilometer um Kilometer kämpfte oder schlich ich mich weiter. Natürlich konnte ich den Lauf nicht mehr wirklich genießen, aber ich bin froh, es schließlich tatsächlich ins Ziel im Olympiastadion geschafft zu haben. Die Zeit war dann auch völlig egal. Zum Ende hatte ich, glaube ich, 7:30er Schnitte.

Seltsam und ungewohnt für mich war, dass das Feld, weil ich so weit hinten lief, zum Ende hin schon ziemlich ausgedünnt war. Nicht nur die 10-km-Läufer, sondern auch die Halbmarathonläufer waren alle bereits im Ziel, als ich auf den letzten Kilometern war.


25 km von Berlin 2022
etwa km 20, Foto von Silvia


25 km von Berlin 2022
kurz vor km 24, Foto von Huebi



Der Einlauf ins Olympiastadion war hart erkämpft!
Danach hielt ich mich auch nicht mehr lange auf und humpelte schnell zu meinem Fahrrad und fuhr nach Hause.

Den Abend und den Tag darauf hat das Bein auch beim Gehen weh getan. Vor zwei Tagen habe ich einen ersten vorsichtigen Lauftest über 4 km versucht. Am Anfang hatte ich keine Schmerzen, am Ende dann doch wieder etwas. Ich hoffe, dass die Verletzung nicht langwierig ist.

Grundsätzlich mache ich mir nun Gedanken, ob das Bestreiten von Wettkämpfen und das Trainieren immer wieder mit gesundheitlichen Problemen noch sinnvoll ist? Offenbar ist es mir nicht mehr vergönnt, über einen längeren Zeitraum ohne Probleme und schmerzfrei laufen zu können?

Vor den 25 km von Berlin hatte ich mir vorgenommen, sofern der Wettkampf gut läuft und Spaß macht, mich in diesem Jahr auch für den Havellauf und die City-Night anzumelden. Von diesem Vorhaben nehme ich nun wieder Abstand. Gemeldet bin ich für die ForumTeam-4er-Staffel und den Berlin-Marathon. Ich werde froh sein, wenn ich diese beiden Wettkämpfe werde mitmachen können.



Startnummer 25 km von Berlin 2022
Scan meiner Startnummer