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Frank P. - Meine Laufberichte






02.07.2023: Radrennen: VeloCity Berlin (100 km)

Heute fand wieder das Radrennen VeloCity statt. Neben der 60-km-Distanz wurden diesmal 100 km angeboten. Die lange Strecke ging auch wieder ins Umland wie in früheren Jahren beim Velothon und war IMHO auch recht attraktiv, weshalb ich mich wieder angemeldet hatte. Für mich war es heute die insgesamt achte Teilnahme seit 2009.
Trainiert hatte ich ganz gut. Nachdem ich im letzten Jahr auf der 90-km-Strecke zum Ende recht müde wurde und dann nur noch ein 31er zustande kam, wollte ich in diesem Jahr zumindest keinen langsameren Schnitt fahren, und das aber auf 100 km.
Die Temperaturen waren perfekt bei maximal etwa 23° C. Trocken blieb es zum Glück auch bei wechselnder Bewölkungslage zwischen bedeckt und heiter. Allerdings wehte ein sehr starker Wind mit Stärken von 4 bis 5 aus Westen.

Uliraffel vom ForumTeam traf ich frühzeitig vor dem Start, im gemeinsamen Startblock C allerdings nicht mehr. Im Startblock, den ich, wie immer, recht früh betrat, war es diesmal weniger langweilig. Auf der linken Straßenhälfte der Straße des 17. Juni mit Blick in Richtung Siegessäule befanden sich die Startblöcke, während auf der rechten Seite sich die Zielgerade für die 60-km-Fahrer befand, deren Start zwei Stunden vor dem der 100 km stattfand und die gerade nach und nach einfuhren.

VeloCity 2023
60-km-Fahrer auf der Zielgeraden neben dem Startblock


Einer der ersten im Ziel war der ehemalige Radprofi und vielmalige Tour de France-Teilnehmer Jens Voigt, der sogleich interviewt wurde. Über die Lautsprecher konnte ich hören, wie er erzählte, dass für ihn, wo er ja nun bald 52 Jahre alt wird, die 60 km die passende Distanz seien. Na toll, dachte ich mir. Und was soll dann ich sagen? Dann bin ich ja wohl falsch im 100-km-Starterfeld. Aber der wahre Grund, warum Jens Voigt die 60 und nicht die 100 km gefahren ist, war wohl der, dass er früh fertig sein musste, weil er vertraglich verpflichtet ab mittags schon wieder für die Tour de France moderieren musste. ;-)

VeloCity 2023
In meinem Starblock C auf der Str. des 17. Juni mit der Siegessäule im Hintergrund


Die ersten Kilometer nach dem Start waren heute für mich nicht so schön. Es ging zunächst eine ganze Weile immer nach Westen nach Spandau, also immer gegen den Wind. In anderen Jahren konnte ich da schon richtig schönes Tempo fahren (35-40 km/h), aber diesmal schaffte ich nicht einmal einen 30er Schnitt. Auch habe ich mich wegen des starken Windes (noch) nicht getraut bzw. es ist mir nicht gelungen, mich einer Gruppe anzuschließen, so dass ich also zumeist allein gegen den Wind fuhr. Viel besser wurde es aber auch nicht auf der Havelchaussee, wo der Wind kein Thema war. Mein Schnitt wurde nicht wirklich besser. Ich hatte in der Phase Gedanken, ob es für mich wirklich noch sinnvoll ist, solche Rennen mitzumachen. Beim Anstieg zum Willi fühlte ich mich langsamer als in anderen Jahren. Dass ich dort uliraffel überholt habe, nahm ich nicht wahr, wohl aber, als er am Gipfel (wieder) an mir vorbeizog.

Erst auf dem Kronprinzessinnenweg („Krone“) gelang es mir, über eine längere Zeit in einer Gruppe zu bleiben und Windschatten zu nutzen, was regelrecht erholsam war. So langsam fand ich in das Rennen hinein.
Fortan hatte ich endlich Spaß am Rennen und es war so ähnlich wie in früheren Jahren. Man muss ständig voll konzentriert und voll bei der Sache sein wegen der hohen Geschwindigkeit und des Fahrens in der Gruppe. Nicht nur muss man auf die Mitfahrer achten, deren Laufräder teilweise nur Centimeter sich vor einem befinden und wo man immer damit rechnen muss, dass der Vordermann plötzlich bremst oder ausschert, auch muss man auf Schlaglöcher und Unebenheiten des Straßenbelages achten, zumindest im Stadtgebiet von Berlin. Ebenso wie Uli empfand ich daher das Fahren in Brandenburg wegen des dort besseren Straßenbelages angenehmer und sicherer. Auch für mich war das Fahren im Umland von Berlin am schönsten.

Dass ich bei Neubeeren Uli wieder überholt habe. ohne es mitzubekommen, lag wohl daran, dass ich so fokussiert war, meinem „Windschattengeber“ zu folgen.
Auf der der autobahnartig ausgebauten B101, die wir leider im Vergleich zu früher nur noch zu einem Drittel befuhren, konnte ich wieder ein gutes Tempo mit teilweise 40 km/h fahren, da ich dort auch genügend Mitfahrer hatte und wir uns gegenseitig Windschatten gaben.
So sind wir dann auch über die Stadtgrenze nach Berlin reingefahren, was mir fast zum Verhängnis wurde: Seit ich beim Velothon teilnehme, habe ich vor zwei Dingen Angst: Sturz oder Panne (Platten, (wegen des Zeitverlustes)).
Glücklicherweise ist mir beides noch nicht widerfahren, aber dieses Jahr passierte doch ein Missgeschick: Fast unmittelbar nach Überfahren der Stadtgrenze übersah ich bei der hohen Geschwindigkeit und meiner Konzentration auf das Hinterrad meines Vordermannes einen tiefer gelegten Kanaldeckel und fuhr mit meinen fast 40 Sachen voll drüber. Zum Glück bin ich nicht zum Sturz gekommen und zum Glück habe ich mir an meinem Laufrad auch keine Acht eingefangen, aber durch die starke Erschütterung ist meine Luftpumpe vom Rennrad abgefallen. Vor einigen Wochen ist mir das bei einer Trainingsfahrt im Stadtgebiet von Berlin auch widerfahren und damals dachte ich nur: „Hoffentlich passiert mir das nicht beim VeloCity“. Nun ist es also doch passiert. Ich bremste sofort, da ich nicht ohne Luftpumpe (für alle Fälle) weiterfahren wollte und sicherstellen wollte, dass die Pumpe nicht auf der Fahrbahn liegen bleibt und möglichweise zu Stürzen führen könnte. Eine freundliche Zuschauerin am Streckenrand holte in der Zwischenzeit die Luftpumpe jedoch schon schnell von der Fahrbahn herunter und gab sie mir wieder. Als ich daraufhin wieder losfahren wollte, kam auch noch ein weiterer Zuschauer auf mich zu und gab mir meine zweite, noch volle, Trinkflasche zurück, die ich also auch noch verloren hatte, ohne es zu bemerken.
Beim dann wieder anfahren ist uliraffel, von dem ich ja dachte, dass er vor mir war, mit aufmunternden Rufen an mir vorbeigezogen.

Dieser ganze Vorgang hat bei mir möglicherweise einen Adrenalinschub ausgelöst, denn als ich wieder Schwung aufgenommen hatte lief es wieder richtig gut. Ich konnte einige Positionen gut machen, bald war auch Uli wieder in Sichtweite und ich konnte schließlich zu ihm aufschließen und auch vorneweg fahren.
Irgendwann war das Adrenalin wohl aufgebraucht oder es machte sich langsam ein bisschen Müdigkeit breit nach rund 80 absolvierten Kilometern. Bei der Abfahrt Katzbachstraße zur Yorkstraße fuhr Uli an mir vorbei und setzte sich zunächst ab. Ganz aus den Augen habe ich ihn aber nie verloren. In den Häuserschluchten Kreuzbergs, wo der Wind besonders unangenehm blies, konnte ich mich mehr und mehr Uli annähern. Irgendwo in Mitte hatte ich ihn erreicht und zog vorbei. Dass Uli jedoch an meinem Hinterrad blieb, hatte ich nicht mitbekommen, wohl aber, dass er am Kapelle-Ufer beim letzten Anstieg wieder an mir vorbei fuhr. Also mobilisierte ich meinerseits noch meine letzten Kräfte, um wieder aufzuschließen.

Die letzten drei Kilometer bis zum Ziel sind wir, glaube ich, mehr nebeneinander als hintereinander gefahren und verständigten uns darauf, gemeinsam durchs Ziel zu fahren. Auf eine Sprintentscheidung zum Schluss hatte, glaube ich, keiner von uns beiden mehr Lust und Energie. Danke an Uli für den tollen Rennverlauf, der sicherlich uns beide gepusht hat.

Offiziell war der Schnitt 32,5 km/h, selbst gemessen waren es knapp 32 km/h auf tatsächlich nicht ganz 99 km. Damit war ich sogar ein bisschen schneller unterwegs als letztes Jahr über 90 km. Es geht doch nicht jedes Jahr immer nur bergab mit mir… ;-)













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