03.06.2023 - Halbmarathon Berlin-Reinickendorf
Der ehemalige Mercedes-Benz-Halbmarathon Seit ein paar Jahren ist Mercedes-Benz nicht mehr der Titelsponsor dieser Veranstaltung, die ich früher immer so gerne mitgelaufen bin, und Start und Ziel ist nun vor dem Rathaus Reinickendorf.
Nach fünf Jahren war ich in diesem Jahr erstmals wieder dabei, allerdings hatte sich meine Freude auf den Lauf vor etwa einer Woche schlagartig verflüchtigt, als ich nämlich erfuhr, dass die Streckenführung sich dramatisch gegenüber früher geändert hat:
Da es wohl nicht möglich ist, den Schienenersatzverkehr für die U-Bahn auf der Berliner Straße in Tegel, der wichtigen zu passierenden und zu querenden Hauptstraße, für die Dauer des Wettkampfes auszusetzen, wurde der Ortsteil Tegel vollkommen gestrichen. Die Highlights des traditionsreichen Mercedes-Benz-Marathon, Alt-Tegel, Greenwich-Promenade am Tegeler See, Borsig-Tor, etc. waren nun nicht mehr Teil der Strecke. Die Strecke war nun eine viermal zu durchlaufende Achtelmarathon-Strecke auf der Holzhauser Straße und Nebenstraßen und einer Zusatzschleife zurück zum Rathaus Reinickendorf. Ich glaube, ich bin noch nie einen Halbmarathon gelaufen, wo man viermal dieselbe Strecke zu absolvieren hat. Hätte ich vorher gewusst, dass die Strecke nicht die Alte sein würde, hätte ich mich nicht angemeldet.
Der Veranstalter hat es doch tatsächlich gewagt, der neuen Strecke etwas Positives zuzuschreiben: Es sei ein besonders schnelle Strecke ausschließlich auf der Straße ohne viele Kurven und ohne Bordsteine oder gar einer Brücke.
Ich hatte das erst unter Schönreden beziehungsweise -schreiben abgetan.
Zum Wettkampf nicht Erscheinen wollte ich dann doch nicht. Drei Wochen vor dem Berlin-Marathon einen Halbmarathon ist laufen ist ja sinnvoll und steht in vielen Trainingsplänen. Also bin ich selbstverständlich angetreten mit dem Vorsatz, den Halbmarathon so schnell zu laufen, wie es nur irgendwie möglich ist, auch um aus der langweiligen Strecke das Beste zu machen.
Ganz entspannt bin ich mit dem Fahrrad nach Reinickendorf zum Rathaus gefahren. Ich war erstaunt, dass da viel los war. Die Teilnehmerzahl war nicht merklich geringer als zu MB-Zeiten. Es wurden auch Berlin-Brandenburgische Meisterschaften ausgetragen.
Organisatorisch hat alles gut geklappt. Der Start begann leicht verspätet.
Vor drei Monaten beim HM des Potsdamer Schlösserlaufes bin ich 2:07 Std. gelaufen und wollte nun deutlich schneller sein. Ich dachte so an 2:03 Std. Unter 2 Std. zu bleiben hielt ich für wenig realistisch, obwohl ich beim Training zuletzt merkte, dass die Formkurve merklich angestiegen ist. Letzten Mittwochabend bei kühlem Wetter in ist es mir in diesem Jahr erstmals gelungen, 10 km im 5:37er Schnitt zu laufen. Normalerweise schaffe ich, wenn überhaupt, beim Training nur ganz knapp einen Schnitt unter 6 Min./km. Den Schnitt vom Mittwochabend beim HM über die Distanz von 21 km noch einmal zu wiederholen hielt ich für illusorisch.
Die ersten Kilometer bin ich mit den anderen Läufern um mich herum einfach so mitgelaufen. Wie immer bei Wettkämpfen lief ich nicht mit GPS-Uhr, sondern wollte mich anhand der Kilometerschilder orientieren. Das erste Kilometerschild habe ich übersehen und beim zweiten Kilometerschild merkte ich, dass ich zu schnell war (10:52 Minuten). Aber es fühlte sich nicht zu schnell an. Erst das fünfte Kilometerschild sah ich dann wieder (27:27 Minuten) und war einerseits erschrocken, dass ich immer noch zu schnell war, aber andererseits erfreut, dass ich mich gut fühlte. Danach konnte ich das Zeitstoppen vergessen, denn es gab nur diese ersten fünf Kilometerschilder. Da eine Runde aber ein Achtelmarathon war, hätte ich bei jeder neuen Runde am jeweiligen Kilometerschild etwas mehr als einen halben Kilometer hinzuaddieren müssen, was mir nichts gebracht hätte, weil ich ja meine Kilometersplits stoppen wollte. Also stoppte ich nun gar keine Zeiten mehr und musste mich auf mein Gefühl verlassen. Kontrolle über meine Geschwindigkeit hatte ich immer erst nach Ende einer Runde, wo ich immer feststellte, dass die gerade absolvierte Runde noch schneller war als die davor und mich gleichzeitig wunderte, dass ich mich immer noch gut fühlte. Zwar wurde ich zum Ende hin müder, aber ich riss mich zusammen und wollte das schnelle Tempo auch noch bis zum Ende durchziehen. Da ich keine Kilometersplits stoppen konnte, war mir gar nicht bewusst, dass ich von Runde zu Runde immer schneller wurde. Das wurde mir sogar erst klar, als ich zu Hause in die Ergebnisliste schaute, wo auch die Rundenzeiten abgedruckt waren, siehe Abbildung:
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Quelle: https://my2.raceresult.com/234541/certificates/774/Thermodrucker%20HM
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Quelle: https://my.raceresult.com/234541/results?lang=de#1_5262EA
Mit einem solch schnellen Lauf hätte ich nie gerechnet. Ich bin geradezu begeistert, wenngleich die langweilige Strecke wohl wirklich schnell und die äußeren Bedingungen mit dem kühlen Läuferwetter für schnelle Zeiten optimal waren. Training sollte man wohl doch nicht überbewerten! ;-)
Nun freue ich mich noch mehr auf den Berlin-Marathon und hoffe, dass ich gesund bleibe und die äußeren Bedingungen stimmen werden.
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